Ein Konterfei moderner medial-monetär geprägter Persönlichkeiten der Öffentlichkeit | Nicht nur eine Bundespräsidenten Geschichte

Ist es für jemanden, der nicht gelernt hat eigenständig zu denken, der ständig angewiesen ist auf Redenschreiber und Meinungsgeber um sich positionieren zu können, notwendig oder gar unausweichlich, sich über andere Medien bzw. Sprachrohre Gehör und Anerkennung zu verschaffen?

Das Bild von dem Herren, der mal bundespräsidentierte, ist in dieser formulierten Hinsicht nachhaltig festgeschrieben. Und in meinen Augen spiegelt die Persönlichkeit (siehe bereits an dieser Stelle ausgeführt) dieses angeblichen Vorbildes der Nation, eine Tendenz wieder, die sich ganz der Logik der Medien und des Geldes speist – und scheinbar nicht mehr entziehen kann. Leitmotive und Idealidentitäten werden angelehnt an medial und monetär tangierende Konstrukte aufgebaut und sind dort in Folge der damit verbundenen Leichtbauweise von Identität und des fehlenden wetterfesten Fundamentes von beständiger Persönlichkeit quasi jederzeit des Einsturzes gefährdet.

Bedingt durch die enge Kopplung der Politik und im Grunde ebenso sämtlichen anderen modernen Berühmtheiten, Stars und Bekanntheiten an die Medien – dieses quasi symbiotische Verhältnis jener Personen zu dem System Medien – bedingt eine Abhängigkeit allen Öffentliches von der internen Logik jener Medien. Und hier kommt die These McLuhans auf die Agenda, die von der Bedingtheit sämtlicher dort kommunizierter Informationen von dem Medium spricht, durch welches die Information übermittelt wird. Konkret bedeutet dies, dass es entscheidender ist, durch welchen Kanal (also auf welche Weise) eine Nachricht übermittelt wird, als es der Gehalt der übermittelten Information selbst darstellt. Der entsprechende Informationsträger überformt die Nachricht dermaßen, dass die reine Information auf dem Weg der Übermittlung nicht der ursprünglichen mehr entspricht und sich dem Übermittler  entsprechend assimiliert.

Entsprechend der Logik der Medien imitieren hiernach die dort arrangierten Personen also überspitzt forumliert die dort geltenden Kommunikationsalogismen. Und das dominierende Strukturprinzip der Medien hangelt sich entlang der allgemein bekannten Telosprinzipien Brisanz, Glaubwürdigkeit, Spannung, Neuigkeitswerte, subjektiver Bezug, monetär geprägte Archetyporientierung sowie die sogenannte Überzeugungskraft, welche in der Regel mit rhetorischen Fertigkeiten gleichgesetzt werden kann. Diesem Prinzip folgend wird zumindest das dort vermittelte Bild dieser ‚Persönchen‘ auch nach außen hin in den dunklen Wohnzimmern wahrgenommen. Die medial überformten Impressionen die sich nun plastisch zu einem Eindruck kohärenter Personen verdichten, an die nun durch weiteren Bezug logisch angeschlossen werden kann, verkörpern nun gleichsam diese beschriebenen Primärmodi und tragen sie – wiederum insbesondere bei hohen und wichtigen ausgekleideten Positionen, Ämtern und Statussymbolpersonifikationen – als Orientierungsmodelle in die Diskurse und Diskussionen in die Öffentlichkeit.

Der nun gerade in diesem medialen Raum besonders häufig an den Tag gelegte allegorische Bezug zu geldlich affirmativen Werten ist es, der eine diesem symbolisch generalisierten Kommunikationsmedium (sgKm) ähnliche Eigenschaft übernimmt: Gemeint ist hier die hohe situativ erforderliche und zeitlich sehr unstete Fluidität die hierbei sehr oft dominiert. Praktisch meint dies, dass in der Regel macht steigernde und erfolgversprechende Gelegenheiten übermäßig oft perpetuiert und weitere dies bezogene Handeln wahrscheinlicher werden lassen. Auf einige kurze Formeln herunter gebrochen könnte dies lauten:

Öffentlichkeit = verbunden mit und affirmativ gegenüber: Macht, Ansehen, Ruhm, Erfolg, Reichtum; sowie pejorativ gegenüber Armut, Erfolglosigkeit, Durchschnittlichkeit, Ordinarität, Genügsamkeit

Personen in der Öffentlichkeit = durch die Logik der Medien tendenziell diesen obigen kategorischen Imperativen entsprechend abgebildet

Hieraus entstehende medial verbreitete sowie virtuell vorgelebte Wertemuster und Verhaltensschablonen:  Wahr: machtstrebend, ansehenerklimmend, ruhmeinheimsend, erfolgsstrebend und reichtumerwirtschaftend vs. Falsch: armseiend, erfolglos, durchschnittlich sein, ordinär sein, genügsam sein

Als allgemeines Orientierungs- und Leitmedium kann die Öffentlichkeit nun trotz aller Gegenstimmen, Gegenöffentlichkeiten, Subkulturen und Kritikern eine grundsätzliche Tendenz ihrer allgemein anerkannten und für üblich übermittelten Faktizitäten nicht leugnen. Das heißt diese hier in den Medien bzw. der Öffentlichkeit präsentierten Wertbausteine und Verhaltensrepertoires sind in summa für den Rezipienten klar zu entziffern und werden einem hermeneutischen Zirkel gleich in sich ständig verstärkende Weise selbst hervorbringen und potenzieren. Man schaut beispielsweise eine Sendung und nimmt die dort enthaltenden Standpunkte, Meinungen und Gegenmeinungen, grundsätzlich begrenzte Wahr- und Falschhorizonte des Gesagten und Gemeinten wahr und speichert diese ab. Häufig gesehene Sendungen (hier ist erneut die monetäre Komponente maßgeblich mit im Spiel) und Formate werden nun aus finanziellen Aspekten auch entsprechend häufiger und zu zentraleren Sendezeiten ausgestrahlt und setzen die dortigen Verhaltens- und Gedanken-Möglichkeitshorizonte weiter herauf und verfestigen sie. Für weitere erfolgversprechende Formate wird nun erneut auf diese sich zuvor etablierten Inhalte zurückgegriffen und sofern damals einschaltträchtig weiter perpetuiert.

Kommunizierte Personen – das heißt medial bzw. öffentlich in kommunikativer Weise konstruierte Persönlichkeitsverdichtungen – die nun fast ausschließlich zur Geltung kommen eben durch das sie verbreitende Medium Fernsehen, Zeitung, Bestseller können nun fast garnicht umhin sich diesen stilisierten Wahrhorizonten (hier natürlich die positive, affirmative Seite der Zweiseitenform) zu unterwerfen und diesen zu entsprechen, um überhaupt dem quasi einhelligen Gütekriterium von Medien (der Einschaltquote, die Auflagenzahl) zu unterwerfen und entsprechend verkürzt gleichzuschalten. Und diese allegorische Verkörperung von Werten und Verhaltensmustern greift nun wieder wie oben beschrieben auf den Rezipienten und schreibt sich kerbenartig (trotz aller Proklamationen des S-O-R Schemas) in Verhaltens- und Glaubensschemata nieder.

Und exakt an dieser Stelle können wir nun wieder einen Bogen zum bereits einleitend erwähnten vormaligen Bundespräsident spannen und ihn, wie sämtliche andere dort in einflussreichen Positionen verharrende (oder eben nicht mehr) Personenkonstruktionen (man muss sich bei diesem Sachverhalt stets vor Augen halten, dass wir – Kants und später ausführlich Luhmanns Erkenntnistheorie folgend – die Realität nie hindurch erreichen, nie in sie durchgreifen können, und dass medial gesendete Inhalte stets nur einfache bildlich und kommunikativ hergestellte Repräsentationen von den tatsächlichen Personen/Inhalten oder Tatsachen im eigentlich Sinne sind und deswegen unentwegt im unsichtbaren Hintergrund verweilen) als diese monetär-medial doktrinierten Schemata allegorisch personifizierende Faktizitäten beschreiben, die sich erst im Laufe der letzten Jahrzehnte in dieser Prägnanz herausgebildet haben. Und in dieser Intensität und ubiquitären Präsenz noch nie eine solch dominante Rolle hinsichtlich Orientierungsmuster eingenommen haben, wie es im Laufe dieses Jahrtausends nun der Fall geworden ist. Die am Mittelwert der Einschaltquote orientierten Massenmedien sind also für Personen wie Christian Wulff, Joachim Gauck, Angela Merkel, Karl-Theodor zu Guttenberg, aber auch Micaela Schäfer, Josef Ackermann, Günther Jauch und Stefan Raab samt dessen verkörperten Verhaltens- sowie Wertschemata a priori verantwortlich und können in meinen Augen nur durch das sich hierzu konträr heraus entwickelte System Internet samt dessen querschlagendem und singulär orientiertem Interessenskalkül zerbrochen und gewissermaßen von hinten her aufgezäumt werden. Dieses Aufreißen von Realität erfolgt den punktuellen Interessenskonzentrationen des Internets folgend natürlich nur sehr zaghaft und zaudernd, ist eine universelle Legitimität und Akzeptanz des Kritisierten innerhalb dieses Systems nunmal schier abhanden gekommen.

Doch allein diese Hoffnung bleibt – möchte man ein normatives Statement abgeben.

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