Medienanstalten im Trugschluss

Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten befinden sich in einer tiefen Krise und können sich – wenn es diesen Kurs weiter gehen sollte –  bald kaum mehr von den privaten Sendern unterscheiden. Das muss nicht jeder gut finden.

Die grundsätzliche Gegenüberstellung von Quote und Auftrag rahmt das Problemfeld ausreichend ein. Stellt das genuine Orientierungsfeld der privaten Sender auf der einen Seite das Quotenmodell dar, welches sich logisch aus der Notwendigkeit der Finanzierung eben dieser Sender ableiten lässt, so ist es der Bildungsauftrag, welcher auch gesetzlich den Rahmen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten abstecken sollte. Diese doch eigentlich für selbstverständlich und klar geltende Regelung ist seit geraumer Zeit im Begriff sich zumindest einseitig zu verwischen und dem Quotenmodell die dominante Orientierungsrolle zu übertragen. Aufgrund der Doppelfinanzierung der Öffentlich-rechtlichen durch GEZ-Abgaben und Werbeeinnahmen, sowie einem im üblichen Argumentationsschema liegenden Denkfehler (den ich gleich ausführlich behandeln möchte) scheinen sich diese Sendeanstalten gezwungen zu fühlen, ihr Augenmerk fast mehr ausschließlich auf die Werbeeinnahmen und dadurch auf das moderne Qualitätsmessungsinstrument Nummer Eins: der Einschaltquote zu legen und sich dadurch in den quasi unentrinnbaren Sog der Qualitätsverlustspirale zu begeben. Die Unterhaltung und das bekannte charmante Gesicht scheinen in diesem Zusammenhang der Entscheidung für oder gegen ein Format weitaus mehr Gewicht zu verleihen, als gut recherchierte, dissonante und nonkonforme Diskussionsrunden, die im Schema These – Synthese – Antithese Sachverhalte ausführlich und verständlich; zuweilen gar kritisch ausleuchten vermögen. Um dieser Argumentationslinie folgen zu können soll hier die dahinter stehende Unlogik aufgezeigt und entsprechend aufgelöst werden.

Die Frage, ob ein Mensch eher unterhaltsame Inhalte im TV sehen möchte oder nicht, kann gar nicht abschließend beantwortet werden. Diese Vorliebe scheint ähnlich fluide changierend zu sein, als es das Wetter und dessen entsprechende Beschreibung zu sein scheint. Mal etwas besser und mal etwas schlechter. Mal möchte man etwas informatives schauen, mal sich einfach nur entspannt davor setzen. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind auftragsgetreu nun – angeblich?!?! – für ersteres offiziell zuständig. Sie versorgen den von sich selbst meist als gebildet, aufgeklärt und informiert sprechenden Bürger mit eben jenen Themen, Inhalten und Meinungen, mit denen er sich selbstbewusst eben als solch ein Bürger ausstatten und etikettieren kann, sofern er es denn möchte. Doch diese grundsätzliche Possibilität, ein entsprechendes TV Format mit entsprechendem Niveau und entsprechendem ansprechenden Inhalten anschauen wollen zu können, bedarf im Vorfeld der zur Verfügung stehenden Bildungsformate hier vermittelt über den Fernseher. Sind diese nun durch einen schleichenden Prozess der Abrasion gänzlich zu seichter sowie flacher Ebene aus Sand abgetragen worden, wo einst der heterogene Facettenreichtum der unterschiedlichsten Sanddünen und -hügel zu begutachten war, bleibt die Möglichkeit für den sich selbst als Bürger bezeichnenden Menschen schier aus, sich einem solchen Format zuzuwenden. Man schwimmt gezwungenermaßen im Brei und kann sich ob der Zähflüssigkeit jenen Breis nicht weiter hieraus befreien. Er zieht schlicht nach unten. Zur Masse.

Die Argumentationsgeschosse seitens Verantwortlicher kreist nun unentwegt in folgendem Begründungschema:

Hohe Gagen für Stars und Sternchen – Hohe Einschaltquoten – Hohe Werbeeinnahmen – Hoher Etat – Viel Geld für teure Stars – Hohe Gagen für Stars und Sternchen – Hohe Einschaltquoten – ad infinitum

Dass dieser Zirkel unlogisch und rekursiv argumentierend daherkommt, scheint durch die einfache Niederschrift dessen bereits ersichtlich. Das von den teuren Stars eingespielte viele Geld wird als zwangsläufige Konsequenz für eben diese wieder ausgegeben. Die bekannten und hübsch drein schauenden Gesichter finanzieren sich ergo einfach selbst. Ziehen von Sender zu Sender, geben ihre Meinungen und Standpunkte hier und dort bekannt und schwirren so in jedermanns und jederfraus Gedankenwelt herum. Etwas davon haben tun eben nur diese Stars und Sternchen selbst. Sie werden bekannter und bekannter und können ihren Schmalz munter in die weite Welt verstreuen.

Dabei bestünde eine hierzu überhaupt nicht abwegige Alternative darin, dass man diesen rekursiven Kreis einfach und endlich mal durchbricht und anstelle der sich selbst finanzierenden tollen Hechte und Hechtinnen mal jemand intellektuellen einsetzt, jemand kontroversen, jemand non-konformen, vielleicht gar unbekannten. Der die Bude durchmischt. Der für wenig Geld Qualität abliefert. Den ModeratorInnen die öden bereits siebzig mal aufgewärmten Moderations- und Themenkarten zerschneidet und aus den gängigen Argumentationsmustern ausbricht. Die üblichen Standpunkte des Pro und Contra zerschmettert und  schließlich an dessen Stelle weitere mögliche Sichtweisen einsetzt. Was spricht dagegen? Die Quote? Die haben wir soeben bereits argumentativ zerlegt. Die Themen und Inhalte die keiner gucken möchte? Ist unter Bezug auf die nun unwichtig gewordene Quote auch belanglos als Argument. Also hiesige Intendantinnen und Intendanten. Tut etwas. Baut die festsitzenden Legosteine endlich auseinander und baut sie neu wieder auf. Ganz im Sinne des folgenden Statements:

Ein qualitativ hochwertiger Ausbau der öffentlich rechtlichen Sender wird mit dieser Umstellung wohl ein legitim einzuforderndes Recht werden! Oder etwa nicht?!
Wieso eigentlich keine strickte Trennung zwischen privaten Unterhaltungs- und öffentlich rechtlichen Bildungssendern in diesem Zuge etablieren? Diese seichten Infotainment-, Musikanten-, Zuckerwattenkrimi- sowie Heileweltgedudeleien plus den unlängst intellektuell gedrosselten Tagesnachrichten können m.E. gern ins private ‚Metier‘ überwandern und dort dem Imperativ der Einschaltquote hinterherstürzen!

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