Christiane Rösinger – Liebe wird oft überbewertet

Ein Sachbuch | S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012 | ISBN-13 9783100929464 | Kartoniert, 201 Seiten, 13,99 EUR

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Die Berliner Songwriterin als Liebes-Desillusionistin und Paarkritikerin: Christiane Rösinger weiß, dass „Menschen, die wie Steine nebeneinander sitzen“, Paare genannt werden und dass damit alles Unglück der Welt beginnt. Ihre langjährige theoretische und praktische Forschung auf dem „Arbeitsfeld Liebe“ bringt es an den Tag: „Die Liebe macht Menschen zu Idioten“, und das Pärchen ist eine „unterentwickelte Lebensform, bei deren Anblick man nur immer wieder Nein, danke ausrufen will“. Dennoch umgibt uns alle die „Pärchendiktatur“, wie man als Single nicht nur an Silvester merkt. Aber Hoffnung naht mit diesem Buch einer liebevollen Abrechnung mit der Liebe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung

Herrlich, wie die Autorin und einstige Frontfrau der seligen Lassie Singers über das Paarleben herzieht. Findet Katharina Teutsch, die das offenbar gut nachvollziehen kann. Wer sagt denn, das Single-Dasein sei ein bloß temporäres Vergnügen? Den Feldforschungen der Rösinger jedenfalls schenkt Teutsch Glauben, ihrem Genie der lakonischen Desillusionierung auch. Und wenn die Autorin die Euro-Norm der Hetero-Paarbeziehung anprangert, schrullig und charmant, fällt für die Rezensentin sogar Erkenntnis ab. Darüber, warum es so häufig nicht klappt mit dem Nachbarn.

via Christiane Rösinger – Liebe wird oft überbewertet.

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Herbert Schnädelbach - Was Philosophen wissen

Und was man von ihnen lernen kann | C. H. Beck Verlag, München 2012 | ISBN-13 9783406633607 | Gebunden, 237 Seiten, 19,95 EUR

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Herbert Schnädelbach demonstriert in vierzehn Kapiteln exemplarisch, was in der gegenwärtigen Philosophie verbindlich gelehrt und gelernt werden kann. Zusammengenommen sind seine Ausführungen ein brillanter Grundkurs in Philosophie. Das Buch zeigt anhand ausgewählter Themen, dass der Ausdruck „philosophisches Wissen“ kein leeres Wort ist. Ungeachtet mancher Zweifel wissen Philosophen wirklich etwas; sie verfügen über einen Kernbestand wissenschaftlichen Wissens, der wenig umstritten ist und hinter dessen Einsichten nicht zurückfallen darf, wer heute nach den Regeln des Fachs philosophiert. Dieses Wissen hat sich in der neueren Philosophiegeschichte im ständigen kritischen Dialog mit dem Tradierten herausgebildet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung,

Wichtige Fragen geht der Autor laut Dirk Lüddecke an. Und dass es sich dabei um einen der erfahrensten Philosophen im Land handelt, kann gar nicht schaden. Lüddecke stößt denn auch wirklich auf Antworten. Etwa wenn Herbert Schnädelbach zwecks Bestimmung dessen, worauf es in der Philosophie ankommt, Weiterlesen

Der Implex – Dietmar Dath, Barbara Kirchner

implex

Sozialer Fortschritt: Geschichte und Idee | Suhrkamp Verlag, Berlin 2012 | ISBN-13 9783518422649 | Kartoniert, 880 Seiten, 29,95 EUR

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Dieses Buch behauptet, dass jede Zeit, jede Handlung, jeder Gedanke tatsächlich mehr Möglichkeiten der Selbstverbesserung enthält, als man auf den ersten Blick sieht. Den inneren Zusammenhang dieser verborgenen Freiheitsgrade nennt das Buch „Implex“. Das Wort bezeichnet ein Modell, mit dem man erklären kann, wie Fortschritt in den Mühen tatsächlicher Menschen verwirklicht wird. Es macht verständlich, warum nur Epochen, die sich bestimmte Irrtümer erlauben, auch bestimmte Wahrheiten finden können, und es zeigt, dass die Aufklärung der Gegenwart Werkzeuge der Emanzipation vererbt hat, von denen sie selbst gar nichts wusste.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.03.2012
Die Lektüre von Dietmar Daths und Barbara Kirchners neuem Buch „Der Implex“, in dem sie die Geschichte und Idee des sozialen Fortschritts untersuchen, hat Rezensent Jörg Später zugegebenermaßen einige Mühen gekostet, dennoch hat er dieses sehr anschauliche „intellektuelle Gewitter“ mit Vergnügen gelesen. Der Kritiker würde das Werk am liebsten in „Wie wir doch noch den Kommunismus retten können“ umbenennen, denn anhand einer Untersuchung von Wissenschaft, Technik, Geschichte, Künste, Politik und Philosophie liest er hier Weiterlesen

Mark Z. Danielewski – Only Revolutions

Mark Z. Danielewski - Only Revolutions

Die Demokratie von Zweien, dargelegt und chronologisch angeordnet | Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2012 | ISBN-13 9783608501230 Gebunden, 360 Seiten, 24,95 EUR

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Aus dem Amerikanischen von Gerhard Falkner und Nora Matocza. Die Liebesgeschichte von zwei Jugendlichen – Haley und Sam – die quer durch den amerikanischen Kontinent und die Zeit unterwegs sind. Ein Buch, das von beiden Seiten gelesen werden kann: von vorne nach hinten und von hinten nach vorne. Das Schicksal der Liebe von Sam und Haley ist das Leben. Das Leben, dem sie zu entkommen versuchen. Bei ihrem Trip quer durch die USA verfolgt sie stets das Schicksal der Geschichte, nicht nur der amerikanischen, sondern der Weltgeschichte. Als ewig Sechzehnjährige reisen sie durch zweimal hundert Jahre, vom amerikanischen Bürgerkrieg bis zum Kalten Krieg und von der Bürgerrechtsbewegung bis zum Irakkrieg. Zwei junge Liebende, die ihrem Schicksal entgegentreiben.

Leseprobe beim Klett-Cotta Verlag

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.03.2012

Soll er so weitermachen, Mark Z. Danielewski, meint Robert Matthias Erdbeer. Wenn das Ende der Popliteratur, das was danach kommt, so aussieht, so versponnen, sinnig, so drastisch eklig und sprachlich anspruchsvoll, dann bitte gern! Dabei hat der Autor seinen Vorgängerroman an avantgardistischer Extravaganz noch überflügelt, staunt Erdbeer, typografische Exzesse deluxe, und vom Plot bleibt nicht viel übrig. Doch ob das rockt, möchte Erdbeer schon auch wissen, und so erkennt er schließlich: Hinter dem Dada eines durchgeknallten Summer of Love steckt mehr. Die Protagonisten (16 Jahre alt) schreiben nicht nur ein Weltgedicht, am Rand tagt immer auch das Weltgericht und versorgt den Leser mit allen erdenklichen Nachrichten und Tagesgeschehen. Bleibt dem Rezensenten noch, den Übersetzern zu gratulieren zu einer Arbeit, die dieses komplizierte, antirealistische Roadmovie in die richtigen Worte kleidet.

via Mark Z. Danielewski – Only Revolutions.

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David Eagleman – Inkognito


David Eagleman - Inkognito

Die geheimen Eigenleben unseres Gehirns | Campus Verlag, Frankfurt am Main 2012 | ISBN-13 9783593389745 | Gebunden, 328 Seiten, 24,99 EUR

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Aus dem Amerikanischen von Jürgen Neubauer.Wissen Sie, wer die Entscheidungen in Ihrem Leben trifft? Sie oder Ihr Unterbewusstsein? Mit wem führen wir innere Dialoge? Wer tritt auf die Bremse, noch bevor wir ein Hindernis bewusst wahrgenommen haben? David Eagleman führt Sie durch die mysteriösen Tiefen Ihres Gehirns und lässt das, was Sie bislang für die Wirklichkeit gehalten haben, in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.03.2012

Burkhard Müller lässt sich vom angelsächsischen Schmiss, den der Neurowissenschaftler David Eagleman in seinem Buch über die komplexen Funktionen des Gehirns und das Bewusstsein an den Tag legt, durchaus mitziehen. Der Autor legt anhand vieler Beispiele dar, dass das menschliche Bewusstsein von den meisten Vorgängen im Organismus nichts weiß und somit die meisten bewussten Entscheidungen auch auf unbewussten, „im Verborgenen ablaufenden Programmen“ beruhen, fasst der Rezensent zusammen. Das Gehirn vor allem von seiner „kybernetischen“ Seite zu untersuchen ist in Müllers Augen das „Verdienst“ des Buches, stellt aber auch ein Manko dar, wie er findet. Schon die Metaphern, die Eagleman wählt, hält der Rezensent für problematisch, da widersprüchlich: es ist von „Zombie-Programmen“, dem „demokratischen“ Gehirn oder dem Gehirn als „Aufsichtsratsvorsitzender“ die Rede. Als Hauptschwierigkeit stellt sich für Müller dar, dass Eagleman keinen „Begriff vom Individuum“ hat, was sich nicht zuletzt in den seiner Meinung nach schiefen Metaphern niederschlägt. Der Rezensent beklagt hier einen philosophischen blinden Fleck, über den man hinwegsehen muss, wenn man dieses Buch mit Gewinn lesen will.

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via David Eagleman – Inkognito.

Michael Gazzaniga – Die Ich-Illusion

Michael Gazzaniga

Die Ich-Illusion

Michael Gazzaniga - Die Ich-Illusion

Wie Bewusstsein und freier Wille entstehen | Carl Hanser Verlag, München 2011 | ISBN-13 9783446430112 | Gebunden, 288 Seiten, 24,90 EUR

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Aus dem Amerikanischen von Dagmar Mallett. Die Hirnforschung hat den freien Willen des Menschen zur Illusion erklärt. Der renommierte Neurowissenschaftler Michael Gazzaniga legt dar, warum das „Ich“ ein Märchen ist, das das Gehirn sich selbst erzählt. Und er beschreibt, wie dennoch Freiheit und Bewusstsein entstehen: nicht im einzelnen Gehirn, sondern im Miteinander von Gehirnen. Es sind Sprache, Kultur und Moral, die uns zu Bewusstsein und unserem „Selbst“ gelangen lassen. Mit der „Ich-Illusion“ schafft Gazzaniga ein tiefes Verständnis davon, wie wir funktionieren. Ein leidenschaftliches Plädoyer, keine vorschnellen Schlüsse aus den Erkenntnissen der Hirnforschung zu ziehen – und ein wichtiger Beitrag zur Debatte um Schuld und Verantwortung im Licht der Neurowissenschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2012

Dass Michael Gazzaniga in seinem jüngsten Buch „Die Ich-Illusion“ kurzen Prozess mit dem freien Willen und dem bewussten Ich macht, hat Thorsten Jantschek als studierter Philosoph vom Neurowissenschaftler nicht anders erwartet. Wenn Gazzaniga aber das Ich zur Illusion der linken Gehirnhälfte erklärt, die lediglich im Nachhinein dem Ich sein Verhalten erklärt, so sieht sich der Rezensent schon aufgerufen, auf „Begriffsverwirrung“ hinzuweisen. Hier werden Vokabeln des bewussten Handelns oder von Geisteszuständen auf neuronale Vorgänge übertragen, und das will Jantschek so nicht stehen lassen. Von diesen Aspekten abgesehen hat der Rezensent aber auch zwei „schöne Überraschungen“ gefunden, die ihm die Lektüre lohnenswert machten. Zum einen mehr „lebensweltliche Urteilskraft“, als er offenbar bei Gazzaniga erwartet hat, und zum anderen dass er es hier mit einer „nichtnaturalistischen Theorie“ von Hirn und Geist zu tun kriegt. Das resultiert in einem höchst aktuellen Bild vom Geist, das den Menschen nicht als in allen Entscheidungen und Urteilen als „determinierte Biomaschine“ begreift, sondern ihm in der sozialen Interaktion Urteilskraft und Verantwortung zuspricht, so der Rezensent zufrieden.

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via Michael Gazzaniga – Die Ich-Illusion.

Fritz Breithaupt – Kultur der Ausrede


Fritz Breithaupt - Kultur der Ausrede

Suhrkamp Verlag, Berlin 2011 | ISBN-13 9783518296011 | Kartoniert, 235 Seiten, 12,00 EUR

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Warum erzählen Menschen? Wie haben sie Erzählen gelernt? Welche kulturellen Leistungen sind mit dem Erzählen verbunden? Und was ist Erzählen überhaupt? Auf diese Fragen gibt Fritz Breithaupt eine verblüffende Antwort. Erzählen erlaubt es, Ausreden vorzutragen. Wer eine Ausrede hat, kann den Kopf aus der Schlinge ziehen. Das Wesen der Ausrede besteht darin, neue, meist komplexere Beschreibungen für bereits beurteilte Handlungen zu liefern. In der ersten Ausrede der Menschheitsgeschichte bekennt Adam zwar, dass er den Apfel aß, bestreitet aber seine Verantwortung, da Eva ihm die Tat eingeflüstert habe. Beginnend mit dieser Urszene, verfolgt das Buch die ineinander verschlungenen Pfade von juristischer Verantwortung und Literatur und zieht dabei auch evolutionsbiologische Erkenntnisse heran.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2012

Sehr anregend, aber nicht restlos überzeugend fand Thomas Groß Fritz Breithaupts Abhandlung „Kultur der Ausrede“, in der er aus der Ausrede eine Erzähltheorie zu entwickeln versucht. Nach dem in Bloomington lehrenden Literaturwissenschaftler ist die Ausrede eine Entgegnung auf eine Anklage, die einer Weltsicht eine andere entgegensetzt, wie das Erzählen eben auch, erklärt der Rezensent. Der Autor begibt sich auf kognitionswissenschaftliches Gebiet, operiert mit Narrations- und Sprachtheorie, vertieft sich in Psychologie und Evolutions- und Verhaltensbiologie, um seine Theorie des Erzählens zu untermauern, stellt Groß fest. Nicht immer findet er die herangezogenen Argumente wirklich plausibel oder nachvollziehbar miteinander verbunden. Was ihm an diesem Versuch aber sehr sympathisch ist, ist, dass der Autor keinen „großen Wurf“, sondern einen leichtfüßigen Essay darbietet und als solchen hat der Rezensent ihn offensichtlich gern gelesen. Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.deGebraucht finden bei abebooks

via Fritz Breithaupt – Kultur der Ausrede.