Medienanstalten im Trugschluss

Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten befinden sich in einer tiefen Krise und können sich – wenn es diesen Kurs weiter gehen sollte –  bald kaum mehr von den privaten Sendern unterscheiden. Das muss nicht jeder gut finden.

Die grundsätzliche Gegenüberstellung von Quote und Auftrag rahmt das Problemfeld ausreichend ein. Stellt das genuine Orientierungsfeld der privaten Sender auf der einen Seite das Quotenmodell dar, welches sich logisch aus der Notwendigkeit der Finanzierung eben dieser Sender ableiten lässt, so ist es der Bildungsauftrag, welcher auch gesetzlich den Rahmen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten abstecken sollte. Diese doch eigentlich für selbstverständlich und klar geltende Regelung ist seit geraumer Zeit im Begriff sich zumindest einseitig zu verwischen und dem Quotenmodell die dominante Orientierungsrolle zu übertragen. Aufgrund der Doppelfinanzierung der Öffentlich-rechtlichen durch GEZ-Abgaben und Werbeeinnahmen, sowie einem im üblichen Argumentationsschema liegenden Denkfehler (den ich gleich ausführlich behandeln möchte) scheinen sich diese Sendeanstalten gezwungen zu fühlen, ihr Weiterlesen

Caschy hat Geburtstag und wird stolze 7 Jahre alt

Der kleine Caschy wird endlich 7 Jahre alt. 🙂
Mein Lieblings-Tech-Blog hat Geburtstag. Anlass genug, um mal auf seinen absolut genialen Blog hinzuweisen und parallel – wer hätte das gedacht – noch an einem verdammt genialen Gewinnspiel mitzumachen.
Also, wer höchst aktuell und locker flockig geschrieben auf dem Neuesten in Sachen Tech, Web, Software, Mobile Computing & Co. bleiben möchte, der sollte dauernder Gast beim Caschy werden.

http://stadt-bremerhaven.de/7-jahre-caschys-blog-verlosung-part-1/

David Eagleman – Inkognito


David Eagleman - Inkognito

Die geheimen Eigenleben unseres Gehirns | Campus Verlag, Frankfurt am Main 2012 | ISBN-13 9783593389745 | Gebunden, 328 Seiten, 24,99 EUR

KLAPPENTEXT

Aus dem Amerikanischen von Jürgen Neubauer.Wissen Sie, wer die Entscheidungen in Ihrem Leben trifft? Sie oder Ihr Unterbewusstsein? Mit wem führen wir innere Dialoge? Wer tritt auf die Bremse, noch bevor wir ein Hindernis bewusst wahrgenommen haben? David Eagleman führt Sie durch die mysteriösen Tiefen Ihres Gehirns und lässt das, was Sie bislang für die Wirklichkeit gehalten haben, in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.03.2012

Burkhard Müller lässt sich vom angelsächsischen Schmiss, den der Neurowissenschaftler David Eagleman in seinem Buch über die komplexen Funktionen des Gehirns und das Bewusstsein an den Tag legt, durchaus mitziehen. Der Autor legt anhand vieler Beispiele dar, dass das menschliche Bewusstsein von den meisten Vorgängen im Organismus nichts weiß und somit die meisten bewussten Entscheidungen auch auf unbewussten, „im Verborgenen ablaufenden Programmen“ beruhen, fasst der Rezensent zusammen. Das Gehirn vor allem von seiner „kybernetischen“ Seite zu untersuchen ist in Müllers Augen das „Verdienst“ des Buches, stellt aber auch ein Manko dar, wie er findet. Schon die Metaphern, die Eagleman wählt, hält der Rezensent für problematisch, da widersprüchlich: es ist von „Zombie-Programmen“, dem „demokratischen“ Gehirn oder dem Gehirn als „Aufsichtsratsvorsitzender“ die Rede. Als Hauptschwierigkeit stellt sich für Müller dar, dass Eagleman keinen „Begriff vom Individuum“ hat, was sich nicht zuletzt in den seiner Meinung nach schiefen Metaphern niederschlägt. Der Rezensent beklagt hier einen philosophischen blinden Fleck, über den man hinwegsehen muss, wenn man dieses Buch mit Gewinn lesen will.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de

via David Eagleman – Inkognito.

Michael Gazzaniga – Die Ich-Illusion

Michael Gazzaniga

Die Ich-Illusion

Michael Gazzaniga - Die Ich-Illusion

Wie Bewusstsein und freier Wille entstehen | Carl Hanser Verlag, München 2011 | ISBN-13 9783446430112 | Gebunden, 288 Seiten, 24,90 EUR

KLAPPENTEXT

Aus dem Amerikanischen von Dagmar Mallett. Die Hirnforschung hat den freien Willen des Menschen zur Illusion erklärt. Der renommierte Neurowissenschaftler Michael Gazzaniga legt dar, warum das „Ich“ ein Märchen ist, das das Gehirn sich selbst erzählt. Und er beschreibt, wie dennoch Freiheit und Bewusstsein entstehen: nicht im einzelnen Gehirn, sondern im Miteinander von Gehirnen. Es sind Sprache, Kultur und Moral, die uns zu Bewusstsein und unserem „Selbst“ gelangen lassen. Mit der „Ich-Illusion“ schafft Gazzaniga ein tiefes Verständnis davon, wie wir funktionieren. Ein leidenschaftliches Plädoyer, keine vorschnellen Schlüsse aus den Erkenntnissen der Hirnforschung zu ziehen – und ein wichtiger Beitrag zur Debatte um Schuld und Verantwortung im Licht der Neurowissenschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2012

Dass Michael Gazzaniga in seinem jüngsten Buch „Die Ich-Illusion“ kurzen Prozess mit dem freien Willen und dem bewussten Ich macht, hat Thorsten Jantschek als studierter Philosoph vom Neurowissenschaftler nicht anders erwartet. Wenn Gazzaniga aber das Ich zur Illusion der linken Gehirnhälfte erklärt, die lediglich im Nachhinein dem Ich sein Verhalten erklärt, so sieht sich der Rezensent schon aufgerufen, auf „Begriffsverwirrung“ hinzuweisen. Hier werden Vokabeln des bewussten Handelns oder von Geisteszuständen auf neuronale Vorgänge übertragen, und das will Jantschek so nicht stehen lassen. Von diesen Aspekten abgesehen hat der Rezensent aber auch zwei „schöne Überraschungen“ gefunden, die ihm die Lektüre lohnenswert machten. Zum einen mehr „lebensweltliche Urteilskraft“, als er offenbar bei Gazzaniga erwartet hat, und zum anderen dass er es hier mit einer „nichtnaturalistischen Theorie“ von Hirn und Geist zu tun kriegt. Das resultiert in einem höchst aktuellen Bild vom Geist, das den Menschen nicht als in allen Entscheidungen und Urteilen als „determinierte Biomaschine“ begreift, sondern ihm in der sozialen Interaktion Urteilskraft und Verantwortung zuspricht, so der Rezensent zufrieden.

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via Michael Gazzaniga – Die Ich-Illusion.

Verabsolutierung des eigenen Standpunktes | Ein Manifest der Kontingenz

Was als eine der geschichtlich wohl bedeutendsten Errungenschaft des menschlichen Egos bzw. der Konsistenz seiner Individualität bezeichnet werden kann, ist vor dem Hintergrund gegenwärtiger erkenntnistheoretischer Einsichten nur noch als unsicherheitskompensierende Handlung zu verstehen, die einen objektiven Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Wahrheit nicht mehr stellen kann: Gemeint ist die Verabsolutierung des eigenen Standpunktes. Als Aufrechterhaltung, als Absicherung der eigenen Identität, des eigenen gedachten Ichs wird ein absolutes, einheitliches Konstrukt mit Meinungen erschaffen, welches seinen Standpunkt, seine Ansichten und Gedanken als die einen, unabdingbar richtigen hochhält und sie dem anderen unterbreitet, als seien sie unantastbar. Gegenteilige Überzeugungen und Sichtweisen werden so oft gar nicht zur Kenntnis genommen oder schlicht überhört. Man ist sich seines Standpunkt sicher und das Gegenüber, der Andere erzählt etwas mir unangenehmes, etwas mir verqueres, was ich nicht hören möchte, was ich ausblende  – bei dem ich einfach abschalte. Ich weiß, ich bin überzeugt davon, dass ich recht habe, dass meine Meinung diejenige ist, die des Wahrheits Kern enthält. Die über allen anderen Ansichten steht und über sie nur lachen kann. Als gleichwertigen oder wenigstens aushandelbaren Gegenpol sehe ich sie jedoch keinesfalls. Wie denn auch? Besitze doch ich die einzig wahre, einzig objektive Sicht der Dinge. Diese Überlieferung, diese Übernahme solch konservativ-überholter Überzeugungen, man sei des Wahrheits Ursprung scheint ein Überbleibsel konsistenter Identitäten, einheitlicher Vorstellungen vom Entwurf eines homogenen Ichs zu sein, welches verletz- und angreifbar sein Selbst verteidigen, oder dieses zumindest durch seinen Standpunkt, mit welchem es sich identifiziert, überhaupt erst sichtbar werden lässt.

Jenes hiesige Konstrukt scheint Weiterlesen

Unser Weltkulturerbe – Die Mär eines kleinen Hampelmanns

Sie schenkten uns ein Bundespräsent und vergaßen die Rückgabegarantie | Er war ein Politiker der in die Zeit passt. Aalglatt und spitzzüngig wie eine Schlange zugleich. Er kämpfte verzweifelt um seinen sich leise auflösenden Machterhalt, der in seiner dominanten Form bereits 1513 von Niccolò Machiavelli präzise herausgestellt wurde. Und dabei kämpfte er ähnlich wie es ein angefahrenes Rehkitz tut, welches nach seinem tödlichen Unfall im halb zugefrorenen Flussbett nebst der vielbefahrenen Hauptstraße wimmernd liegt. Es blendet todestrunken sein eigenes Schicksal aus und kämpft sich Schritt um Schritt aus dem reißenden Fluss zurück auf die Hauptstraße hervor, Weiterlesen

Genialer Jazz Sound aus dem 21. Jahrhundert – Portico Quartet

Die anfang diesen Jahrtausends gegründete Band aus London beschränkte sich mehrere Jahre auf kleinere Gigs und das sog. busking – also dem Musizieren auf der Straße rund um den Londoner Stadbezirk und Nahe dem National Theatre. Nachdem sie das erste mal unter dem Babel Label produzierten ging die Karriere steil bergauf. Während noch anfang letzten Jahres Weiterlesen