(K)ein Ziel der hohen Bildung?!?

Student by gocyclones

Welches Ziel nebst eines gesellschaftsweit legitim qualifizierenden Zeugnisses sollte eine formal höhere Bildung noch beinhalten? Sollte eine bundespolitische sowie Teilen der Ökonomie entspringende Forcierung hiesiger Studierendenschaften mehr als die reine Berufsqualifikation enthalten? Oder stellt der Hochschulabschluss ein Telos dar, welches bloß einem gegenwärtigen Quell an Anerkennung in ausreichendem Maße entspricht und als eben solch singulares Ziel verfolgt werden soll?

Schaut man sich aktuelle Entwicklungen und daneben auch Prognosen an, so scheinen wir auf eine vollstudierte Gesellschaft innerhalb der territorialen Grenzen der sogenannten BRD in zumindest einigen Dekaden hinzu zu laufen. Der Bildungsstand wächst, die formal höher gebildete Gruppe der Gesellschaft wird quasi zur Gesamtgesellschaft aufgerundet und entspricht in naher Zukunft gar – prognostiziert im Sinne des Advocatus Diaboli – der gesamten Bevölkerungszahl Deutschlands. Sofern es denn mit den erstaunlichen Zuwachsraten der StudienbeginnerInnenzahlen so weitergehen sollte wie in den letzten zwei drei Jahren. Sofern!

Dieses überzeichnete, quasi sarkastisch formulierte Szenario bringt mich, wenngleich es aufgrund ökonomisch geprägter global dominierender Sozialstrukturen und dominanten Politiken eher ex negativo zu konstatieren sein wird, auf eine Frage, die mich im Grunde schon etwas länger umtreibt:

Was wird a) primär und b) sekundär mit einer sich formal höher bildenden Gesellschaft verfolgt bzw. sich versprochen? Weiterlesen

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Verabsolutierung des eigenen Standpunktes | Ein Manifest der Kontingenz

Was als eine der geschichtlich wohl bedeutendsten Errungenschaft des menschlichen Egos bzw. der Konsistenz seiner Individualität bezeichnet werden kann, ist vor dem Hintergrund gegenwärtiger erkenntnistheoretischer Einsichten nur noch als unsicherheitskompensierende Handlung zu verstehen, die einen objektiven Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Wahrheit nicht mehr stellen kann: Gemeint ist die Verabsolutierung des eigenen Standpunktes. Als Aufrechterhaltung, als Absicherung der eigenen Identität, des eigenen gedachten Ichs wird ein absolutes, einheitliches Konstrukt mit Meinungen erschaffen, welches seinen Standpunkt, seine Ansichten und Gedanken als die einen, unabdingbar richtigen hochhält und sie dem anderen unterbreitet, als seien sie unantastbar. Gegenteilige Überzeugungen und Sichtweisen werden so oft gar nicht zur Kenntnis genommen oder schlicht überhört. Man ist sich seines Standpunkt sicher und das Gegenüber, der Andere erzählt etwas mir unangenehmes, etwas mir verqueres, was ich nicht hören möchte, was ich ausblende  – bei dem ich einfach abschalte. Ich weiß, ich bin überzeugt davon, dass ich recht habe, dass meine Meinung diejenige ist, die des Wahrheits Kern enthält. Die über allen anderen Ansichten steht und über sie nur lachen kann. Als gleichwertigen oder wenigstens aushandelbaren Gegenpol sehe ich sie jedoch keinesfalls. Wie denn auch? Besitze doch ich die einzig wahre, einzig objektive Sicht der Dinge. Diese Überlieferung, diese Übernahme solch konservativ-überholter Überzeugungen, man sei des Wahrheits Ursprung scheint ein Überbleibsel konsistenter Identitäten, einheitlicher Vorstellungen vom Entwurf eines homogenen Ichs zu sein, welches verletz- und angreifbar sein Selbst verteidigen, oder dieses zumindest durch seinen Standpunkt, mit welchem es sich identifiziert, überhaupt erst sichtbar werden lässt.

Jenes hiesige Konstrukt scheint Weiterlesen

Transkulturelle Differenzreflexion

Migrationsdiskurse in ihrer Formfalle und ein möglicher Ausweg

Die Debatten, Diskurse, Pöbel- sowie Raufereien auf dem Schlachtplatz der kulturellen Distinktionskämpfe haben trotz aller medialstruktureller Wellenförmigkeit seit den prominenten Thesen aus dem Jahre 2010 gewissermaßen Hochkonjunktur. Man grenzt aus, kategorisiert und unterscheidet schlichtweg dominant im Schema Dort und Drüben, Hier und Da, Ich und Du, Wir und die Anderen, Kultur und Nicht-Kultur bzw. Gleich und Anders. Kaum ein öffentlicher Dialog der sich selbst beschreibenden Wissensgesellschaft kommt um diese Distinktionskategorien, diese komplexitätsreduzierenden und zugleich trendhaften Mainstream-Blaupausen herum und muss, sofern er sich denn eben im Rahmen politischer Korrektheit nicht selbst desavouiren möchte, zumindest holzschnittartig Weiterlesen